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Das Weinhaus früher und heute



Das Erscheinungsbild des im Honnefer Ortsteil Rommersdorf gelegenen alten Weinhauses hat zwei unterschiedliche Formen und Farben. Wie das alte Weinbaus in der mündlichen Überlieferung in Erscheinung tritt und sich auch in seinem Äußeren zeigt, ist nicht seine ganze Form. Es ist ein abgerundetes, aber auch beschnittenes Bild, das dem Leser aus alten Erzählungen um das Haus Steinbach mit seine Gaststuben, von den vielen Gästen und seinen Wirtsleuten vermittelt worden ist und noch vermittelt wird. Da heißt es z.B., dass das Haus seit 1752 im Besitz der Familie Steinbach sei. Ortshistoriker werden dagegen einwenden, dass erst ab 1850 eine Familie Steinbach in den Besitz des Hauses kam. Diese Steinbachs waren auch keine Urhonnefer - wie gelegentlich zu hören ist - sondern sie stammten aus Damscheid bei Oberwesel. Die Vorfahren bewirtschafteten dort Weingüter des Jesuitenkollegs Köln. Das gleiche Kolleg hatte auch umfangreiche Weingüter in Honnef, wo sie noch tüchtige Weingutpächter suchten. So wagten sich um 1770 zwei Jesuiten aus Damscheid bei Oberwesel namens Steinbach nach Honnef. Sie wurden hier sesshaft.

Als später Nachkomme dieser nach Honnef zugewanderten Winzerfamilie Steinbach hat Bertram Steinbach am 21. März 1850 für 915 Reichstaler das Anwesen an der Spiesgasse 2 Nach Einheirat in die Familie Römlinghoven erworben. (Heute wird das Haus mit Spießgasse 2 bezeichnet, obschon die Namensdeutung mit dem von "Spies" für Speise zu erklären ist). Die Steinbachs standen da schon lange nicht mehr in Diensten der Jesuiten (deren Besitz säkularisiert und 1835 versteigert worden war). Sie waren fortan Winzer, Wirte und Weinbrenner mit Eigenbesitz. 

Wanderer, die aus dem romantischen Annatal kommend dem Lauf des Möschbachs folgend in den Honnefer Ortsteil Rommersdorf eintreten, sehen sich unvermutet in eine Fachwerkidylle versetzt. Alte Winzerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert säumen den blumengeschmückten Bachweg. Dort wo die Spiesgasse von der Möschbachstraße abbiegt zur gotischen Annakapelle, liegt der Gebäudekomplex des "Weinhauses Steinbach".

Er stellt keine einheitliche aus einem Guss
errichtete Anlage dar. An der Straßenecke steht ein Massivgebäude aus der wilhelminischen Zeit, und daran anschließend an der Spiesgasse erstreckt sich ein Fachwerkgebäude von 1752 über einem gewölbten Weinkeller. Diesen Gebäuden wurde kurz nach der Jahrhundertwende ein Saalbau angefügt. Wer dagegen aus der
entgegengesetzten Richtung vom brunnengeschmückten Annaplätzchen dem Annatale zustrebt, wird auf der rechten Straßenseite durch eine große schmiedeeiserne Reklame "Weinhaus Steinbach 1752" am Westgiebel des Hauses auf das Gasthaus aufmerksam. 

Fast unauffällig wirkt das schmale Eingangsgittertor. Durch einen Rebengarten führt der Zugang zur Gaststube, zum Tanzsaal und zu den alten flachen Nebengebäuden, die früher Weinbergsgerätschaften, Weinkelter und Brenngefäße einer Distillerie beherbergten. 
Diese alte Winzerhof- und Gaststättenanlage ist also allmählich gewachsen aus Baukörpern unterschiedlicher Formen und Funktionen. Sie vermittelt daher kein einheitliches Erscheinungsbild, wie sie neuzeitliche und moderne Gast- und Weinhäuser in den heute noch klassischen Weinhaugebieten an Mittelrhein, Ahr und Mosel bieten. Das Besondere am Weinhaus Steinbach ist, dass es keinen Luxus im heutigen Sinne bietet und in seiner Einfachheit aber Behaglichkeit und Gemütlichkeit suggeriert und so zu einer reizvollen und empfehlenswerten Einkehr werden lässt. 

Viele Gäste ziehen es vor, während der warmen Jahreszeit im schattigen Rebengarten auszuruhen. Leider sind die Zeiten vorbei, da das alte Rommersdorf wie auch das übrige Honnef noch ein großes Weindorf war und auch die Wirte im Weinhaus Steinbach noch eigene Weine, Weinbrände und Schnäpse kredenzten. Man hält in diesem Hause, dass am 1.Januar 1986 in die fünfte Generation überging, sehr viel auf Tradition. Früher waren es lauter Mannsbilder wie Bertram Steinbach, Hermann Steinbach und schließlich Hubert Steinbach, die in Rommersdorf und über Honnefs Grenzen hinaus Ansehen und den Ruf eines Originals genossen. Seit 1952 führte Frau Lambrechts, eine geborene Steinbach das alte Weinhaus, und seit 1986 ist es deren Tochter Brigitte Mohr, die die Familientradition fortsetzt.

Zur Hausgeschichte

Nur selten werden Gäste auf den Grundstein des Hauses von 1752 aufmerksam Er befindet sich als Türsturz über der Haustür des Hofeingangs. 



Die Inschrift lautet: A°.1752 + JH . BM . CQ + 


Unter der Jahreszahl, mit welcher das Baujahr des Hauses verkündet wird, stehen drei Buchstabenpaare. Die außenstehenden JH und CQ dürften die Anfangsbuchstaben des Ehepaares bezeichnen, das 1752 gemeinsam das Haus errichtete Das waren Johannes Hillen und Clara Quadt. Die Buchstaben BM unter der Jahreszahl stehen für die Worte „Beatae memoriae" oder für „Benedicat mansionem", was mit „Seligen Angedenkens" oder mit dem „Segen dem Haus" zu interpretieren wäre. Somit wäre auch die Lage des „Hillenhofs" in Rommersdorf, der in Jesuitenakten des 18. Jahrhunderts beiläufig erwähnt wird, lokalisiert. 

In der Nachbarschaft dieses Hauses liegen noch mehrere Fachwerkhäuser, die zum Teil noch älter als das Haus Steinbach sind. „Hillen" ist ein sehr alter Honnefer Familienname. Ein Peter Hillen wird schon 1437 als Pächter eines Klosterweingartens in Rommersdorf genannt, der dem Augustinerinnenkloster zu Merten/Sieg gehört. 

Das Haus Möschbachstraße 12 gehörte 1978 einem Johannes Hillen. der vermutlich Johann Hillens (Bauherr des Hauses von T'52) Großvater war. Johann Hillen heiratete 1745 Clara Quadt. erbaute 1752 Haus Spiesgasse 2, hatte eigenen Grundbesitz in Rommersdorf und war schon, wie sein Vater Peter Hillen, Pächter von Weingärten, die dem Kloster St. Agatha in Köln gehörten. 

Die Eheleute Johannes Hillen und Clara Quadt lebten in einer Großfamilie; sie hatten 11 Kinder, die im Schreiben und Lesen bewandert waren (was damals nicht selbstverständlich war). Ein Sohn (Peter Hillen) war Geschworener in Rommersdorf, Sohn Gabriel Pächter des gegenüberliegenden Kreuzbrüderhofs und Sohn Heinrich übernahm nach dem Tode seiner Mutter den elterlichen Besitz und heiratete noch im gleichen Jahr (1802) Agens Schmitz vom Kreuzbrüderhof. 

So hatte sich eine doppelte verwandtschaftliche Beziehung zwischen Hillens von der Spiesgasse 2 zu den Nachbarn der Pächterfamilie Schmitz im Kreuzbrüderhof eingestellt. Im Urkataster von 1825 erscheint dann der Winzer Peter Maus als Hofbesitzer, und als Nachfolger verzeichnen die Fortschreibungsprotokolle des Honnefer Steuerkatasters die Nachgenannten:


17. 8. 1830: Adam Römlinghoven betrieb mit Geschwister Weinbau, eine Weinbrennerei mit Gastwirtschaft und eine Holzhandlung.

6. 4. 1839: Erbteilung, Übergabe an Gertrud Römlinghoven.

6. 4.1846: An Bertram Römlinghoven, Winzer

21. 3. 1850: An Bertram Steinbach, Winzer, der seit 1843 mit Josepha Römlinghoven verheiratet ist, Kaufpreis 915 Reichstaler.

10.10.1862: An Wilhelm Dix, Kaufpreis 700 Reichstaler,

12.6.1866: An Bertram Steinbach, Winzer, Rückkauf ohne Urkunde.

10.3.1869: An Hermann Steinbach, Kauf ohne Urkunde

6.5.1889: An Joh. Jos. Steinbach

12.12.1904: Joh. Jos. Steinbach, Neubau (Saal) vor 1913: Hubert Steinbach, Wirt und Kaufmann (Weinhändler)

seit 1952: Elisabeth Lambrechts geb. Steinbach,

seit 1986: Brigitte Mohr, geb. Lambrechts



Das Weinhaus Steinbach und die Dorfgemeinschaft


Was den Honnefern das Kurhaus bedeutet, das ist den Rommersdorfern und Bondorfern Ihr Weinhaus Steinbach. Es liegt nahe beim Rommersdorfer Dom (Annakapelle) und dem Annaplatz. Das Weinhaus Steinbach ist also nicht nur Treffpunkt für Fremde, die den Ort besuchen, sondern auch Fest-, Versammlungs- und Ballhaus für die Einheimischen und das Stammlokal einiger örtlicher Vereine und Stammtische, wie zum Beispiel dem Donnerstagsstammtisch. An Festtagen, zur Kirchweih, der Schützen und Junggesellen sowie an Karneval trifft sich die ganzes Dorfgemeinschaft im Weinhaus Steinbach. Im Gasthaus hei Joseph Steinbach wurde am 7.11.1880 der Rommersdorfer und Bondorfer Bürgerverein aus der Taufe gehoben. Auch stand 1902 im Weinhaus Steinbach die Wiege des Honnefer Turnvereins „Eiche". 

Das Brauchtum des Fahnenschwenkens rheinischer Junggesellenvereine wird hier sehr eifrig gepflegt. Gewiss ließen sich noch andere Ereignisse aufzählen, Episoden die im Erzählgut der Dorfgemeinschaft fortleben. Sie treten aber nur für Insider in das Erscheinungsbild des „Weinhauses Steinbach". 

Gegenüber neugierigen Fremden ist man keineswegs verschlossen. In früheren Zeiten ließen sich Wirte und Gäste gleichermaßen noch Zeit, den einfachen und preiswerten Imbiss und den dazu gehörigen Tropfen zu servieren und alles zu genießen. Das Flüssige entstammt nicht mehr dem eigenen Wachstum, aber immer noch gilt das bis an den Rand gefüllte Weinglas als Markenzeichen des Hauses. 

So geht die Sage um, dass zur Tradition des Hauses gehöre, dass ein seliger Zecher hier leichter den Mund zum Weine finde als umgekehrt und man deshalb den Pokal stets bis zum Rande fülle....